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Mallorca im Frühling-ein Reisebericht
Senioren reisen gern im Frühling und im Herbst, wenn das Wetter noch nicht zu warm oder zu kalt ist. Hier, der Bericht über eine Frühlings-Reise auf eine vielseitige Insel.
Es ging in den Südwesten nach Paguera oder der neuere Name Peguera. Auf dieser Seite ist die Temperatur immer um einige Grade höher als auf anderen Teilen der Insel.
Aus Deutschland angekommen, sind mittags schon sommerliche Temperaturen. Schnell die Sachen wechseln, um sich auf die erfreuliche Lage einzustellen. Hinter uns Berge vor uns das Meer, eine Postkarten-Idylle. Viele Menschen kennen die Insel nur von den Badestränden, aber sie ist für alle Naturliebhaber ein wahres Paradies. Wer gern wandert, sollte Wanderstöcke und festes Schuhwerk im Gepäck haben. Die Berg-Wanderwege sind oft durch abgespültes Geröll belegt, da sind die Stöcke ein nützlicher Halt.
Wenn man im Frühjahr dort wandert, muss man sich vor den Prozessionsraupen in Acht nehmen. Meist hängen ihre Nester an Kiefern oder Pinien, aus denen sie sich herabfallen lassen. Sie bilden eine Schlange und wandern so über die Wege. Vorsicht, bei Berührung, sie versprühen eine Flüssigkeit die juckenden Hautausschlag hervorruft, ähnlich Verbrennungen. Die Apotheken haben lindernde Salben vorrätig.
Wir haben keinen Mietwagen gebucht, sondern uns auf die einheimischen Transportmittel verlassen. Hat man erst mal ein Auto, möchte man die entstandenen Kosten auch ausgiebig nutzen. Da gerät man schnell unter Zeitdruck und das sollte man ja im Urlaub möglichst vermeiden.
Die Linien, zur Hauptstadt Palma, verkehren in kurzen Abständen und haben drei verschiedene Möglichkeiten: Die direkte Strecke, ca. eine Stunde, eine etwas längere, mit kleinen Orten um Palma herum und eine lange Strecke, die sämtliche Dörfer auf dem Weg in die Hauptstadt anfährt, was auch mal ganz interessant ist. Der Fahrpreis ist immer gleich und der Fahrer kassiert beim Einsteigen.
Die Altstadt von Palma kann man gut zu Fuß begehen, oder sich in einem der roten Doppeldecker Stadtbusse herumfahren lassen. Rentner ab 65 zahlen den halben Preis.
Besonders an der sehenswürdigen Kathedrale stößt man auch auf die so genannten "Nelkenfrauen". Frauen kommen ganz freundlich auf einen zu und überreichen ein kleines Blümchen, gleichzeitig machen sie einem klar, dass sie dafür einen Cent möchten. Sobald aber der ahnungslose Tourist seine Geldbörse öffnet, ist er umringt von mehreren freundlichen Frauen mit flinken Fingern und ehe man sich versieht, sind die Scheine entwendet und mitsamt den freundlichen Frauen verschwunden. Wenn man gleich eine abweisende Handbewegung ihnen gegenüber zeigt, kommt man auch "ungeschoren" davon.
Ein Erlebnis ist es auch mit der der alten "Siemensbahn" von Palma nach Sòller zu fahren. Sie ist im alten Stil erhalten und der Schaffner knipst auch noch die Fahrkarten. Sie fährt durch Apfelsinen- und Zitronenplantagen, wo die jetzt gerade reifen Früchte zum Pflücken locken.
In Sòller kann man dann noch einmal mit einer alten Straßenbahn zum Hafen fahren, auch der ist sehenswert. Ebenso sollte man dort nicht vergessen, in der berühmten Eisfabrik das selbst hergestellte Apfelsinen- Eis zu probieren. Es ist ein Tagesausflug, wenn man sich alles anschauen will.
Auch das Aquarium von Palma ist ein Besuch wert. Der Bus Nr.15 fährt vom "Spanischen Platz" zum Aquarium, welches in der Mitte der berühmt, berüchtigten Bade- und Feiermeile liegt. Das blaue Objekt ist nicht zu übersehen. Es gibt dort, neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten, auch Streichelbecken für Fische und Seesterne. Es besitzt auch den größten Wassertunnel Europas.
Eine, vom Reisebüro angebotene Busreise in das Innere der Insel wurde auch gemacht. Es ging nach Sineu, dem geografischen Mittelpunkt der Insel. Jeden Mittwoch findet dort ein großer Markt statt. Die Einheimischen handeln dort mit Vieh und selbst hergestellten Produkten. Man sollte es vermeiden, einem die Hand zu reichen, das gilt als abgeschlossener Handel und man hat vielleicht auf einmal ein Huhn, ein Kaninchen, Ziege oder Schaf, im Besitz. Natürlich kann man alles erwerben vom krummen Nagel bis zum Pferd. Jede Gasse ist mit Händlern besetzt und vor der Kirche herrscht ein reges Treiben und Handeln. Es ist beeindruckend.
Die Fahrt geht weiter zum Kloster Lluc, wo man die schwarze Madonna besichtigen kann . Die Figur der Maria mit dem Jesuskind ist im Laufe der Jahre schwarz geworden und wird deshalb besonders verehrt.
Weiter, über die Lederstadt Inka, nach Alcudia, die nordöstliche Seite der Insel. Dort ist die Altstadt interessant .Es ist dort noch wenigTourismus, weil es wirklich der kühlere Nordosten ist und oft ein schneidender Wind weht. In den Bergen der Insel trifft man immer wieder auf sportliche Radtouristen und es sind sehr große Leistungen nötig, um die Serpentinen der Berge hinauf zu fahren. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte im Bus auch die hinteren Plätze wählen, denn vorn wähnt man sich an manchen Stellen über dem Abgrund.
Zwischen den Fahrten, sind immer wieder Wanderungen, durch die wunderschöne Gegend angesagt.
In den Bergen haben wir Wildziegen gesehen, auch eine gerissene, um deren Kadaver die Raubvögel kreisten. Es gehört eben zur Natur.
Verwundert waren wir über eine kleine Schildkröte, oben in den Bergen. Wie mag die da wohl leben?
Bei einer Wanderung sind wir in der Bucht von Calla Fornells gelandet. Sie liegt romantisch schön. Dort soll der Vollmond, auch Silbermond genannt, besonders schön scheinen. Es soll wohl da auch besondere Rieten geben. Besonders Karfreitag, wird auf den Mond gewartet, auch wenn er von Wolken verhangen ist. Ein paar "Mondsüchtige“ lassen sich von den Wolken nicht abbringen und warten auf das Erscheinen des Himmelskörpers .Das sieht man am nächsten Tag, an den Resten eines abgebrannten Lagerfeuers
Der Karfreitag bietet in Palma noch eine besondere Sehenswürdigkeit. Auf den Stufen der Kathedrale werden der Leidensweg und der Tod Jesus nachgestellt, verbunden mit einer Prozession.
Ganz Unerschrockene gehen auch schon im Meer baden, aber meistens sind es die Surfer, die sich in den Wellen tummelten. Am Sandstrand könnte man sich aber ganz rasch einen Sonnenbrand holen.
Es lohnt sich auch, eine Fahrt in das Landesinnere, nach Valdemossa, zu machen Der Ort liegt in den Bergen und man erreicht ihn über Palma mit dem Bus. Gerade zu Ostern wählen auch viele Mallorquiner, Valdemossa als Ausflugsziel und die Schlange in Palma am Bus wird sehr lang, aber kein Problem. Der Busfahrer orderte noch einen Bus, und alle werden befördert.
Viele Künstler haben den Ort zu ihrer Wirkungsstätte gemacht. Er ist auch geschichtsträchtig. In einem alten Kloster, das von Karthäusermönchen bewohnt war, ist heute ein Museum.
Sie lebten dort von 1399-1835, danach wurde das Kloster p
rivatisiert. Im Winter 1838/39 lebte und arbeitete dort der Komponist Frèdèric Chopin und die französische Schriftstellerin George Sand. Einige originale Partituren von Chopin und das Manuskript von "Ein Winter auf Mallorca" (G. Sand ) sind ausgestellt, ebenfalls viele Briefe des Paares. Der Ort selbst hat ganz schmale Gassen, durch die nur ein Auto fahren kann, was zu einem Geschicklichkeits-Parcours wird.
In Ermanglung von Gärten haben die Hausbewohner Töpfe mit Blumen und Pflanzen vor ihrer Hauswand stehen oder an der Wand hängen. Neben jeder Haustür ist eine Kachel mit christlichen Motiven angebracht. Das gibt dem Ort einen eigenen Charakter. Einige Töpfe fallen auch den Autos zum Opfer, werden aber erneuert. Auch der Wind fegt durch die Gassen, als spiele er mit sich selbst Fangen, trotz strahlendem Sonnenschein. In den kleinen Läden des Ortes kann man von Künstlern gefertigte Unikate erstehen, für das nötige "Kleingeld".
Von den Schönheiten der Insel könnte ich noch mehr berichten, aber vielleicht wird der eine oder andere angeregt, nicht nur am Badestrand oder "Ballermann" seinen Urlaub zu verbringen.
-ag-